Im Anfang war der CPC

… und das Bit war im Computer, und der Computer war das Bit.

Der erste Computer, an den ich Hand anlegen konnte war der CPC 464. Als Inselbewohner war ich über das sehr seltene Spielen für 25 Peseten an einer rudimentären Spielekonsole (wir erinnern uns an TRON) im “Sol y Mar” oder der “Bar Central” in meiner Kindheit nicht hinausgekommen. Als angehender pubertierender Junge, der frisch aus dem Hippie-Paradies Fromentera (ohne Strom und fliessend Wasser) nach Berlin Kreuzberg 64 verpflanzt wurde, geriet ich in die Fänge der digitalen Krake. Der Besuch bei dem älteren (Anfang zwanzig) Nachbarn eines Mitschülers aus der siebten Klasse der mir einen ersten BASIC-Fünfzeiler  beibrachte, besiegelte meinen Einstieg in die Welt der Micro Computer. Ich war fasziniert von einer Maschine, der man Dinge beibringen konnte. Ab dann war ich regelmäßiger Gast bei diesem jungen Herrn, einem hageren Krankenpfleger mit langem strähnigen Haar, der nichts dagegen hatte, ein paar junge Bewunderer um sich zu scharren. Er wurde mein neuer bester Freund. Eine Wohnung übersät mit Pizzakartons und Kisten voller Datasetten in einem Einkaufswagen, war mein neues Zuhause. Meine Eltern (Mutter und Stiefvater) waren gegen Computer und so liess ich die Schulvormittage ausfallen und machte lange “Hausaufgaben”  bei Freunden. War mein neuer Freund nicht da, so schlug ich mir die Zeit in der Amerikanische-Gedenk -Bibliothek in Berlin um die Ohren und schrieb BASIC-Programme auf Papier, um sie später bei meinem Freund in der Wohnung abzutippen. Ich war in einem Rausch der Begeisterung und nach langer Überzeugungsarbeit, kaufte meine Mutter mir zum dreizehnten Geburtstag einen CPC 464 mit Grünmonitor und Datasette (er steht noch immer in meinem Keller!). Jahre später gelangte ich zu einem Amiga und dann stieg ich auf einen 486DX2 um. Dazwischen schaffte ich mir ein 2400 Baud Modem an und erforschte Berlins “Boxen” (Fchat, Xchat) und ging auf Usertreffen, bei denen eine Horde Jugendlicher um einen Rechner sass und probierte irgendwo “einzubrechen“. Mich faszinierte jedoch Autodesk Animator und Pascal mehr als Assembler und so programmierte ich Plasmageneratoren, Colorcycler und Sprite-Animationen im Eifer der Demoscene-Bewegung . Ich überliess die Grafik-Bibliotheken und die Maschinensprache David Battke meinem damaligen Mitstreiter und besten Freund jener Periode. Zusammen waren wir “KaputtSoft” eine Symbiose aus Kreuzberg und der neuen digitalen Welt. Unser Logo: eine Schnecke. Unsere Software ist heute leider nicht mehr existent da unsere Wohnung ausgeraubt wurde. Alles war dahin inklusive der Streamer-Tapes (Backup). Ich holte den Schwarzweiß-Fernseher aus dem Schrank, rollte das Antennenkabel aus und verliess einige Tage mein Zimmer nicht mehr. Meine Frustration war unermesslich doch bekanntlich geht das Leben weiter…